Tablet-Klassen

Seit dem Schuljahr 2005/2006 gibt es am Bischöflichen Willigis-Gymnasium Klassen, in denen alle Schüler mit einem persönlichen digitalen Medium ausgestattet sind. Waren dies zunächst Notebooks und später auch Netbooks, so sind dies heute Tablets. Wir haben mit diesen Tablet-Klassen so gute Erfahrungen gemacht, dass sich die Schulgemeinschaft entschlossen hat, beginnend mit dem Schuljahr 2021/22 ab der Jahrgangsstufe 7 aufbauend grundsätzlich alle Schüler mit einem persönlichen Tablett auszustatten. Bei unserem Konzept erwerben die Eltern das Gerät und stellen es ihren Söhnen zur Verfügung. Bei der Anschaffung muss man aktuell für ein Neugerät mit ca. 320 Euro rechnen, es kommen noch die Kosten für eine Hülle mit Tastatur mit ca. 30 Euro und für Software, sog. Apps, mit maximal 50 Euro für drei Jahre dazu. Praktisch und deshalb inzwischen auch verpflichtend ist weiter auch ein sog. Pencil, der mit ca. 50 Euro zu Buche schlägt. Eine Erweiterung der Garantie sollte man erwägen. Aus dem persönlichen Besitz entsteht bei den Schülern ein hohes Verantwortungsbewusstsein für den Umgang mit dem Gerät. Selbstverständlich dürfen und sollen die Schüler das Gerät auch für private Zwecke nutzen.

Das Tablet kommt in fast allen Unterrichtsfächern zum Einsatz. Dabei entscheiden die Lehrkräfte, auf welche Weise und in welchem Umfang sie das Tablet einsetzen wollen. Grundsätzlich kommt das Tablet nur da zum Einsatz, wo ein Mehrwert gegenüber konventionellem Unterricht erkennbar wird. Die Lehrpläne der Fächer werden selbstverständlich weiter eingehalten, ebenso alle anderen schulrechtlichen Bestimmungen. Schriftliche Überprüfungen erfolgen weiter wie bisher „händisch“. Für den Einsatz der Tablets stellt die Schule die notwendige technische Einrichtung wie z.B. Internetzugang, Smartboard und digitale Bildschirme bereit. Die Schüler sorgen dafür, dass das Gerät täglich einsatzbereit ist. 

Der Übergang zu den Tablets hat eine Reihe positiver Effekte: Die Geräte sind im Unterricht praktisch sofort einsatzbereit und halten unschwer einen Schultag mit einer Akku-Ladung durch. Sie haben eine vernünftige Bildschirmgröße und Bildqualität und sind darin dem Smartphone überlegen. Die verwendete Software (Apps) ist zum Großteil kostenlos oder doch sehr kostengünstig. Tablets sind auch in der Anschaffung günstiger als Notebooks. Die Entscheidung für die Produktlinie eines Herstellers lässt den gleichzeitigen Einsatz verschiedener Generationen von Geräten, also auch von schon vorhanden Alt- oder Gebrauchtgeräten, zu und hat zudem den Aufbau der Infrastruktur wie den Support erheblich vereinfacht. Die Bedienung der Tablets wie der Apps stellt die Schüler vor weniger Probleme als die Verwendung herkömmlicher, für die Büroanwendung durch Erwachsene konzipierte Geräte und Programme.

Besonders wichtig für den Erfolg unseres Konzepts ist die verlässliche Qualität der Zusammenarbeit im Netzwerk. Dank dem finanziellen Engagement des Fördervereins der Schule steht allen Schülern, Eltern und Lehrern eine persönliche Lizenz von Microsoft Office365 zur Verfügung. Die dort vorhandenen Werkzeuge ermöglichen zusammen mit weiteren Apps ein hochwertiges kollaboratives Lernen im Unterricht wie Zuhause. Gerade in der aktuellen Situation der durch die COVID-19-Pandemie veranlassten Schulschließung bzw. partiellen Wiederöffnung hat es sich gezeigt, dass wir mit unserem Konzept sehr erfolgreich E-Learning in unsere pädagogische Arbeit integrieren können. 

Was sind die Vorteile eines Tablet gestützten Unterrichts?

Wir beobachten eine Verbesserung der unterrichtlichen wie außerunterrichtlichen schulischen Kommunikation und Interaktion. Die verwendeten Programme fördern in den angebotenen Simulationen die Entwicklung der Fähigkeiten zum problemlösenden Denken. Wir sehen weiter einen Zuwachs an Möglichkeiten zu einer binnendifferenzierten Förderung der Schüler durch gezielte, auch außerunterrichtliche Arbeitsaufträge und Materialien wie zu einem vermehrten Einsatz von fächerverbindendem bzw. fachübergreifendem Unterricht, der jederzeit auf die gespeicherten Arbeitsergebnisse aller Fächer zugreifen kann. Dazu trägt auch die Verfügbarkeit des Mediums für jeden zu jedem Zeitpunkt bei. Das Gerät eignet sich weiter zur Einführung und Einübung in selbst organisiertes Lernen. Die hohe Affinität des technischen Mediums Tablet zur psychischen Entwicklung und Disposition von Jungen stellt einen wichtigen motivationalen Faktor dar. Der zielorientierte Gebrauch eines komplexen digitalen Werkzeugs in der Verbindung von schulischer und privater Nutzung scheint uns weiter eine sinnvolle Einübung und Erweiterung der Mediennutzungskompetenz und notwendige Vorbereitung auf eine nahe Zukunft.

Die Sorge, durch das Tablet würden andere wesentliche Kompetenzen nicht ausgebildet, ist unbegründet. Selbstverständlich gelten weiter die staatlichen Lehrpläne mit ihren Bildungsstandards und Lernzielen, auf die sich die für G8GTS-Modell von der Schule erarbeiteten Arbeitspläne stützen. Das Tablet wird gezielt (zeitlich, thematisch) in den Fächern eingesetzt, d.h. traditioneller Unterricht mit den klassischen Unterrichtsmedien Tafel, Heft und Lehrbuch und Tablet gestützter Unterricht wechseln sich ab. Eine Übung der Lese-, Schreib- und Zeichenfertigkeit findet weiter und im selben Umfang statt. Klassenarbeiten und schriftliche Überprüfungen werden weiter ohne Tablet geschrieben. Lehrbücher werden weiter im Unterricht genutzt, denn noch immer stellen die Schulbuchverlage nur restriktiv digitalisiertes Material bereit. Gegen Ende der Mittelstufe gewinnen Tablet gestützte Formen der Aufzeichnung und Präsentation dann zunehmend an Bedeutung.

Aber auch das muss man wissen: Das Tablet macht Schule und Unterricht nicht grundsätzlich einfacher. Die Schüler müssen sich mit einem neuen Medium, einer leider noch nicht immer altersgerechten Software, anderen Aufgabenstellungen und einer höheren Verantwortung auseinandersetzen. Das braucht auch Zeit, Einsatz und Disziplin. Ein Tablet kompensiert nicht automatisch Schwächen in Wissen und Lernen, kann aber beim Erwerb von Wissen, Methoden und Kompetenzen hilfreich sein.

Für weitere Informationen stehen Ihnen Herr Martin Huber (mhuber@willigis-online.de) und Herr Dr. Riedel (schulleitung-gymnasium@willigis-online.de) gerne zur Verfügung. Eine Präsentation zu diesem Thema finden Sie hier: 2020-05-12_Tablet-Projekt