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ERASMUS+: Pilgertour nach Santiago 2026

Auch in diesem Jahr haben sich 2 Schülerinnen und 14 Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12 mit Frau Kalbitz, Herrn Speck, Herrn Hesping und Pfr. Busch auf Pilgerreise nach Santiago de Compostela begeben. Am letzten Sonntag in den Osterferien ging es los – zunächst mit dem Flugzeug über Madrid nach Vigo und von dort weiter nach Monforte de Lemos. Mit großer Spannung wurde schon bei der Gepäckaufgabe am Flughafen in Frankfurt verfolgt, wessen Rucksack wie schwer war. Zwischen 7 und 10 Kilo zuzüglich Verpflegung und Wasserreserven sollten in den kommenden Tagen ständige Begleiter sein.

Doch bevor es tatsächlich auf den Camino ging, stand zunächst die Begegnung mit unserer Erasmus+ – Partnerschule EOI Monforte – Escuela Oficial de Idiomas de Monforte de Lemos an. Mit großer Offenheit wurden wir von Rosa, Fachleiterin für Deutsch, und weiteren Lehrerinnen sowie Schülerinnen und Schülern empfangen. Ein Stück Heimatgefühl kam auf, als wir direkt beim Betreten der Partnerschule in einer Vitrine Jahresschriften des Willigis sowie Mainzelmännchen entdeckten. Großes Interesse bestand an unseren Referaten über Mainz, Johannes Gutenberg, den Dom und St. Stephan. Das Referat über die Mainzer Fastnacht endete mit dem gemeinsamen „Im Schatten des Doms“, bei dem sich unsere spanischen Gastgeber alle Mühe gaben Text und Melodie zusammenzubringen. 

Im Gegenzug informierten uns unsere Gastgeber über Monforte de Lemos und die Schule, den bevorstehenden Jakobsweg sowie Kunst entlang des Jakobsweges (Esgrafiado galeco, vorgestellt von Mar). Außerdem haten wir eine Führung durch eine weitere Erasmus+ – Schule, das altehrwürdige Colegio de Nuestra Señora de la Antigua (PP Escolapios) und das angeschlossene Museum mit religiöser Kunst. 

Die große Gastfreundschaft unserer Partnerschule zeigte sich nicht zuletzt darin, dass wir noch einmal vor den anstehenden Strapazen der Pilgertour mit ausreichend Kalorien versorgt wurden. Herzhafte und süße Spezialitäten öffneten unsere Sinne für die kulinarischen Aspekte unserer Fahrt. Außerdem brachten unsere Gastgeber uns bei, wie wir den typischen Kartoffelsalat sowie leckere Tortilla zubereiten. 

Nachdem wir dienstags Abschied von der Partnerschule genommen hatten, ging es dann von Sarria auf die erste Etappe. Nach einem gemeinsamen Gebet in der Kirche am Ausgangspunkt stellten wir uns unter den Segen Gottes. Spiritueller Begleiter der ersten Etappe war Abram, der sich in Gen 12 auf den Weg macht und dem die Zusage Gottes gilt: Du bist gesegnet und sollst Segen für andere sein. 20 Kilometer standen uns bevor, sicher geleitet von den traditionellen Wegsteinen, auf denen jeweils die Entfernung bis nach Santiago angegeben ist. Ein erstes Etappenziel war erreicht, als wir den Stein mit der magischen Zahl „100,000 km“ passierten. Auch wenn wir während des Tages immer wieder nass wurden, so kamen wir doch gut gelaunt in Loyo an, wo nach einem guten Abendessen alle müde in ihre Betten fielen. 

Am folgenden Tag stand eine lange Etappe von 27 km bis Palas de Rei an. Immerhin meinte es das Wetter heute gut mit uns. Auch wenn es zunächst noch kühl war, so konnten wir die zum Teil sehr steilen An- und Abstiege gut meistern. Heute begleitete uns der Prophet Elija (1 Kön 19) mit dem Gedanken, dass Gott nicht in den großen Naturspektakeln, sondern im leisen Säuseln. Die Natur bot mit ihrem Reichtum an Pflanzen gute Möglichkeiten, dem ganz persönlich auf die Spur zu kommen. 

Donnerstags stand die herausforderndste Etappe an: sowohl von der Streckenlänge (30 km), als auch von den zu bewältigenden Steigungen. Passend dazu war Jakob mit auf dem Weg, der sich bei seinem Kampf am Jabbok (Gen 32) seinen Ängsten und Schwächen stellen musste. Belohnt wurden wir nach unserer Ankunft von einem sehr freundlichen Hospitalero. Nachdem er jedem zunächst persönlich die Funktion der Dusche erklärt hatte (besonders stolz war er auf die neu eingebauten Regenwald-Duschköpfe), ging es wie üblich an die allabendliche Wäsche. Eine glückliche Fügung brachst es mit sich, dass auch eine ausgebildete Krankenschwester in unserer Unterkunft übernachtete, die sich rühmend um die schlimmsten Blasen kümmerte. Ihre Herzlichkeit war charakteristisch für das gute Miteinander der Pilger auf dem Jakobsweg. Nachdem unser Hospitalero gesehen hatte, wie sehr wir von der langen und anstrengenden Etappe geschafft waren, ließ er es sich nicht nehmen, uns mit seinem in die Jahre gekommenen Auto zur Pulperia zu fahren. Dankbar nahmen wir diesen Service an und mussten nur noch den Rückweg zu Fuß hinter uns bringen. 

„Más o menos“ fit stand am nächsten Tag eine kurze Etappe von 20 km an. Mittlerweile meinte das Wetter es auch wirklich gut mit uns. Bei Sonnenschein und leichten Wolken machten wir uns auf den Weg durch Wälder und Wiesen und genossen es, hin und wieder in einer Bar auf dem Weg Rast zu machen. Diesmal war es der Samuel (1 Sam 3), der uns inspirierte. Auf den Ruf Gottes antworte er mit den Worten: „Rede, Herr, Dein Diener hört.“ Wir vergewisserten uns, dass Gott auch jede und jeden von uns ruft – mit je eigener Stimme, und es unsere Aufgabe ist, uns für diesen Ruf zu öffnen. Auch wenn manch einer vielleicht noch ausreichend Energie für die letzten Kilometer bis Santiago gehabt hätte, waren andere doch froh, noch einmal innezuhalten. Nachdem wir auch ein Restaurant gefunden hatten, dass die ganze Gruppe versorgen konnte (an die spanischen Essenszeiten hatten wir uns immer noch nicht ganz gewöhnt), erholten wir uns für die letzte Etappe. 

Diese stand am Samstag an – die letzten 20 km bis nach Santiago. Passend zur Osterzeit waren es nun die Emmaus-Jünger (Lk 24), die uns in Erinnerung riefen, dass wir nicht alleine auf dem Weg waren, sondern Jesus uns verborgen begleitete. Nachdem wir den Flughafen von Santiago de Compostela umrundet hatten, war die lang ersehnte und mit „in 4 km ist sie da“ mehrfach angekündigte Bar in Sicht, in der Pfr. Busch schon bei zwei früheren Touren zu Tee und Kuchen eingekehrt war. Bei einer kleinen, wunderschön gelegenen Kirche wurde Mittagspause gemacht. Gestärkt von Burger und Pommes und nach unterschiedlich langer Ruhepause ging es in den Endspurt. 5 km vor dem eigentlichen Ziel erreichten wir den Monte do Gozo, den Berg der Freude, von dem aus die Kathedrale von Santiago schon zu sehen war. Nach einer letzten Pause ging es dann bewusst in den Endspurt. Groß war die Freude, als wir in unserer Unterkunft ankamen. Ein erstes Gruppenfoto vor der Kathedrale und ein gemeinsames Abendessen rundeten die letzte Etappe ab. 

Am Sonntag stand der beeindruckende Pilgergottesdienst in der übervollen Kathedrale an. Eigens für uns hatte der Bischof sich bereit erklärt, dem Gottesdienst vorzustehen. Auch wenn wir nur sehr wenig verstanden, so war es doch die Atmosphäre, die von den vielen internationalen Pilgern geprägt wurde, die den Gottesdienst zu einem spirituellen Höhepunkt machten. Außerdem durften wir den 1,60 m hohen und 54 kg schweren Botafumeiro in Aktion erleben. Sicherlich hat manch einer den Atem angehalten und sich gefragt, ob das dicke Zugseil auch wirklich den Kräften standhalten würde, als das Weihrauchfass bis kurz unter die Kirchendecke schwang. Im Anschluss an den Gottesdienst vollzogen wir das Pilgerritual, indem wir am Reliquiar des Hl. Jakobus beteten und die Statue des Heiligen über dem Altar umarmten. Vor der Kathedrale wurden dann noch feierlich dir Urkunden überreicht, die uns nun als offiziell anerkannte Pilger ausweisen. Nach einem gemeinsamen Eis wurden die Andekenläden besichtigt und der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen beendet. 

Leider hieß es dann am nächsten Tag wieder Abschied nehmen. Nach einer durchaus spannenden Heimreise kamen alle wohlbehalten, wenngleich auch mit der ein oder anderen Blase wieder zuhause an.

Alle waren sich einig: es war eine tolle Reise – sowohl die Begegnungen mit der Erasmus+ – Partnerschule als auch die gemeinsame Pilgertour. Spirituelle Erfahrungen, neue kulturelle Einblicke, beeindruckende Begegnungen mit anderen Pilgern (z.B. aus Spanien, Mexico, Irland, Asien …), Gespräche im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt und eine tolle Gemeinschaftserfahrung werden noch sehr lange in Erinnerung bleiben und nachwirken. 

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