WILLIGIS MAINZ | Bischöfliches Gymnasium und Realschule | staatlich anerkannt

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Predigt von Kardinal Lehmann zur 150-Jahr-Feier

Karl Kardinal Lehmann
Bischof von Mainz

PREDIGT ANLÄSSLICH DES 150JÄHRIGEN JUBILÄUMS
DER BISCHÖFLICHEN WILLIGIS-SCHULEN
AM 26. JANUAR 2002 IM HOHEN DOM ZU MAINZ

Die 150 Jahre künden nicht nur von dem besonderen Engagement Bischof von Kettelers, sondern sie gehören auch in die Zeit, da der Katholizismus nach 1848 (vgl. den 1. Katholikentag in Mainz) die Freiheiten der Frankfurter Paulskirchen-Versammlung nutzte und verstärkt eigene Schulen gründete. Dabei wurden immer wieder das Erziehungsrecht und die Erziehungspflicht der Eltern an die erste Stelle gesetzt. Mit ihnen sollte eine einvernehmliche Gestaltung und Verwirklichung der Erziehungsziele im Interesse der jungen Menschen erreicht werden.

Für Bischof von Ketteler war dies gewiss ein Ausdruck seiner unermüdlichen Bemühungen um die Schule. Er wusste um die unersetzliche Bedeutung der Schule für die Menschen und die ganze Gesellschaft. Noch 1873 konnte er in einem Fastenhirtenbrief zum Thema schon zu Beginn schreiben: „Zu den wichtigsten Fragen der Zeit gehört gewiss die Schulfrage. Sie greift tief und nachhaltig in jedes Haus, in jede Familie ein.“ Ketteler gelang es, dass sein Antrag bei der Großherzoglichen Regierung in Darmstadt bereits am 2.02.1852 als „Gehobene Musterschule für Bürger aller Stände“ genehmigt wurde. Bis nach dem Krieg hieß sie „Marienschule“.

Der Ort für die Schule war sehr gut gewählt. Wenn sie nahe an der Stephanskirche mit ihren über 1000 Jahren steht, so ist sie nicht nur im Herzen von Mainz und neben einer durch die Chagall-Fenster noch berühmter gewordenen Kirche mit dem Grab des heiligen Erzbischofs Willigis, sondern es ist auch der Ort, wo seit mehr als 1000 Jahren eine Stifts-Schule stand, die vom Bildungswillen der Kirche zeugt. In diese Geschichte gehört das Willigis-Gymnasium und die Willigis-Realschule. Diese Kontinuität konnte auch die nationalsozialistische Schulpolitik, als sie 1938 die Schule schloss, nur kurz unterbrechen. Wir verdanken es nicht zuletzt Bischof Albert Stohr, dass die Schule im Jahr 1955 nun unter einem neuen Namen die Pforten wieder öffnen konnte.

Eine solche Gründung verpflichtet. Das gesamte Schulwesen wird durch Schulen in freier Trägerschaft ergänzt, gefördert und bereichert. Dies gelingt aber nur, wenn wir ganz und gar die pädagogischen Zielsetzungen, nämlich das Verständnis der Welt und des Menschen aus dem Geist des Christentums und im Sinne einer ganzheitlichen Erziehung aus dem Glauben, bejahen. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt dazu: „Ihre besondere Aufgabe aber ist es, eine Schulgemeinschaft zu schaffen, in der der Geist des Evangeliums, der Geist der Freiheit und der Liebe lebendig ist.“ So erstreben wir eine Synthese von Kultur und Glauben, von Glauben und Leben.

Es ist gut, dass wir gerade auch dank der Initiative von Bischof von Ketteler und der immer intensiven Schulpolitik des Bistums Mainz im Kreis der Bischöflichen Schulen ein solches Gymnasium mit der Realschule haben. Ich danke allen Lehrenden an dieser Schule. Dankbar gedenken wir der vielen, die uns im Zeichen des Glaubens vorangegangen sind. Ich nenne darunter Domdekan Dr. Hermann Berg. Ich denke aber auch an die ganze Schulgemeinde, die Eltern, die vielen Förderungen zur Stützung der Schule, die Schülerschaft, die nichtlehrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schließlich ist an dieser Schule auch die Schulseelsorge erprobt und ausgebaut worden. Sie ist eine wesentliche Ergänzung der pädagogischen Arbeit. Voll Dankbarkeit wollen wir an diesem Tag auch an unseren Mitbruder Monsignore Werner Krimm denken.

Die Lesung (1 Kor 3, 6-11) und das Evangelium (Mt 25,14-30) dieser Feier erinnern uns immer wieder an eine elementare Voraussetzung und Folge unseres Schulwesens und auch dieser Schule, nämlich unser eigenes Zeugnis. Alle Einrichtungen und Strukturen würden uns ohne den eigenen Einsatz nicht viel nützen. Es wären Fassaden, die innerlich hohl sind. Darum lassen wir uns alle auch aufrufen, wie es der Heilige Paulus formuliert: „Ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau.“ Dieser Auszeichnung, die aber zugleich die Übernahme von Sendung darstellt, wird im Evangelium von den Talenten, die den Dienern übergeben werden, entfaltet. Damit wird zugleich an uns alle die Frage gestellt, ob wir unsere Begabung an der Stelle, wo jeder von uns steht, fordern und fördern, ob wir wirklich mit unseren Pfunden wuchern, ob wir das, was wir selbst empfangen haben, auch wirklich kraftvoll weitergeben und in unserem persönlichen Leben und in der Gesellschaft zur Geltung bringen.

In diesem Sinne ist das Jubiläum nicht nur Anlass für eine selbstzufriedene Rühmung der Geschichte allein oder gar des kirchlichen Schaffens, sondern dahinter steht die Frage, ob auch wir in Gegenwart und Zukunft Ernst machen mit den Zielen, die Bischof von Ketteler bewogen haben, eine solche Schule zu schaffen. Gerade das Evangelium zeigt uns, dass wir diese Frage immer wieder stellen müssen. Dank und Bitte, Umkehr und Segen gehören darum zu diesem Tag.


Herausgegeber:
Bischöfliches Willigis-Gymnasium Mainz
Bischöfliche Willigis-Realschule Mainz

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