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Soziales Projekt an der Realschule

Konzept eines Sozialen Projektes

„Schülerinnen und Schüler helfen“

für die 8. Klassen

1.  Idee eines Sozialen Projekts

Die Einführung des Sozialen Projekts „Schülerinnen und Schüler helfen“ im Schuljahr 1997/98 ist auf die Initiative des damaligen Schulelternbeirats zurückzuführen. Der Schulelternbeirat stellte die Idee eines „Sozialen Projekts“ der Schülervertretung und der Gesamtkonferenz vor. Beide Gremien nahmen die Idee interessiert auf, überarbeiteten das Konzept und passten es an die Bedürfnisse unserer Schule an. Mit der einstimmigen Zustimmung der Gesamtkonferenz am 15.07.1997 konnte der erste Probelauf beginnen.

2.  Begründung des Sozialen Projekts

Gerade die Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe sind eine pädagogisch nicht unproblematische Altersgruppe. Ich-bezogenes Denken und abnehmende Bereitschaft zu sozialem Engagement erschweren die Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Schule. Mit dem Projekt „Schülerinnen und Schüler helfen“ verlassen die Jugendlichen den Lebensraum Schule und stellen sich neuen Herausforderungen. Sie sollen ein Stück der sozialen Wirklichkeit als eine Art „Gegenwelt“ zu ihrer doch häufig konsumorientierten Alltagserfahrung kennen lernen. Der Dienst am Nächsten in einem ihnen bis dahin unbekannten Umfeld ermöglicht ihnen die Ausbildung von Fertigkeiten und Fähigkeiten, die weit über das Angebot der Schule hinausgehen. Der Jugendliche wird hingeführt zu einem Verhalten „tätiger Nächstenliebe“. Er tritt in Beziehung zu seiner sozialen Umwelt und übernimmt durch eigenständiges Handeln Verantwortung für andere Menschen. (§3 (1) 1,2 Grundordnung für katholische Schulen in freier Trägerschaft im Lande Rheinland-Pfalz).

3.  Zielsetzung

Für das ‚Soziale Projekt‘ lassen sich auf der Grundlage von Pkt. 1 folgende Ziele festlegen:

– ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung fördern
– Grundtugenden wie Zuverlässigkeit, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit ausbilden
– verantwortungsvolles Handeln gegenüber dem Nächsten einüben
– zwischenmenschliche Beziehungen bis hin zu Freundschaften knüpfen
– mit Menschen verschiedener Altersgruppen und sozialer Herkunft umgehen lernen
– die soziale Kompetenz ausbilden.

Darüber hinaus wünschen wir uns, dass sich die Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler während des Projekts sammeln, positiv auf das Miteinander in der Schule auswirken.

4.  Organisation des ‚Sozialen Projekts‘

4.1. Dauer und Zeitpunkt
Das Projekt findet im 2. Schulhalbjahr der Klasse 8 statt. Es erstreckt sich auf einen Zeitraum von zwei bis drei Monate, in der Regel in der Zeit zwischen den Weihnachtsferien und den Osterferien. Der zeitliche Umfang für die Betreuung beträgt zwei Stunden in der Woche.

4.2. Wahl des Projektplatzes
Die Jugendlichen nehmen sich für den Zeitraum des Projekts eines Menschen an, dem sie einmal in der Woche für zwei Stunden helfend zur Seite stehen. Innerhalb des unmittelbaren Nachbarschaftskreises sind dabei die verschiedensten Tätigkeitsfelder denkbar, zum Beispiel ein krankes Kind betreuen, mit ihm spazieren gehen oder mit ihm reden; für einen älteren Menschen einkaufen gehen oder Flüchtlings- bzw. Ausländerkindern bei den Hausaufgaben helfen.
Die Betreuungstätigkeit sollte sinnvoll und notwendig sein, wobei in der Regel nicht an eine Tätigkeit im Pflegebereich gedacht ist. Im konkreten Fall kann nach Absprache von den obi-gen Regeln abgewichen werden.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich die Mädchen und Jungen zuerst in ihrer Nachbarschaft nach Betätigungsmöglichkeiten umsehen. Bei der Wahl des Projektplatzes entscheiden die Jugendlichen selbst, was sie sich zutrauen. Hier ist die Mithilfe der Eltern wünschenswert. Während des Projekts sind die Jugendlichen wie beim Betriebspraktikum versichert.

4.3. Vorbereitung
Zu Beginn des 8. Schuljahres werden die Schülerinnen und Schüler im Unterricht und die Eltern bei einem speziellen Elternabend über das Projekt informiert. Vorbehalte, Ablehnung und Ängste sollen in Klassengesprächen, in Einzelberatung und durch Rollenspiele aufgearbeitet werden. Sowohl von der Thematik als auch von der methodischen Arbeitsweise kann das Projekt in die Fächer Religion, Deutsch und Sozialkunde eingebunden werden.
Bis Mitte November legen sich die Jugendlichen auf ein Projekt fest. Falls einzelne Schüler/innen Probleme haben, eine geeignete Betreuungsperson zu finden, werden sie von schu-lischer Seite unterstützt.

Zwischen Schüler/in und der zu betreuenden Person wird ein „Vertrag“ geschlossen, der Aussagen zum Inhalt der Tätigkeit und zur zeitlichen Vereinbarung enthält. Mit diesem „Vertrag“ gehen die Jugendlichen die moralische Verpflichtung ein, ihrer Aufgabe gewissenhaft nachzugehen.

4.4. Durchführung und Betreuung
Für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler wird auf Beschluss der Religions-Fachschaft und nach Absprache mit dem Schulträger eine der beiden wöchentlich stattfin-denden Religionsstunden verwendet. Jede Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt und von der Projektleiterin, den Religionslehrern und/oder den Schulseelsorgern betreut. In wöchentlich stattfindenden Gesprächskreisen sollen Erfahrungen ausgetauscht und aufgetretene Proble-me erörtert und, soweit dies möglich ist, gelöst werden.

Die Schülerinnen und Schüler führen während des Projektzeitraums einen Nachweis in Form eines „Tagebuches“. Nach jedem Besuch soll ein Eintrag gemacht werden; besondere Erlebnisse oder Beschreibungen der Tätigkeit können als Tagebucheintrag, als Brief, als Dialog, als Gedicht oder als Bild gestaltet werden.
Die Mappe wird benotet, wobei die Note in die Religionsnote einfließt. Die Jugendlichen erhalten eine schulische Bestätigung über die Teilnahme an dem ‚Sozialen Projekt‘.

4.5. Nachbereitung
Nach Ende des Projekts treffen sich die Schülerinnen und Schüler zu einem Nachbereitungs-tag an einer außerschulischen Stätte (z.B. DON BOSCO-Haus, Gemeindezentrum). Mitbeteiligt sind die Projektleiterin und die Betreuer der  Schulseelsorge. Ziel des Treffens ist es, die Erfahrungen der Beteiligten aufzuarbeiten und auszuwerten.

Gemäß den Worten von Erich Kästner

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“

ist das Konzept inzwischen vielfach erprobt und überarbeitet worden. Trotz der anfänglichen Hemmschwelle der Jugendlichen, auf Menschen zuzugehen und Hilfe anzubieten, findet das Projekt bei den beteiligten Schülerinnen und Schülern einhellige Zustimmung.